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Gedenkkonzert zum 75. Jahrestag der Reichsprogromnacht
Samstag, 9. November 2013, 18:00 - 19:30
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von

Christus vor den
Stelen
Oratorium für Sopran
und virtuelles Orchester
Sopran:
Annemete Hein, Kirchenmusikerin
Partitur:
Prof. Dr. Norbert Ammermann
Visualisierungen:
The Emmaus Company
The Virtual Orchestra
of the Emmaus-Company


Christus vor den Stelen“ – Oratorium für virtuelles Orchester und Sopran
Zum Holocaust hat sich sehr pointiert die Theologin
Dorothee Sölle geäußert. Bekannt ist, dass sie es abgelehnt
hat, nach Auschwitz noch die vollmundige
Strophe zu singen „Lobe den Herrn, der alles so herrlich
regieret“. „Wo war Gott in Auschwitz“ fragt sie.
Bertold Klappert, systematischer Theologe in Wuppertal
und Mitherausgeber der Erklärung der rheinischen
Kirche über das Verhältnis von Juden und
Christen ist von der Leidensgeschichte des Judentums
so beeindruckt, dass er von einem Rollentausch
spricht. Das Judentum, nicht das Christentum stand
„unter dem Kreuz“. Und er zitiert den späten Barth,
der in seinen späteren Jahren fragt, ob nicht die
Christen verworfen seien. M.E. haben bis heute beide
große Kirchen es nicht gewagt, ihre Christologie radikal
neu zu reflektieren, zu überdenken und von
kirchlichen Allmachtsphantasien zu befreien. Dieses
Oratorium ist ein musikalisch-ästhetischer Versuch,
christliches Selbstverständnis angesichts des Holocausts
neu zu erfassen. -
Entwurf und Aufstellung des Holocaust-Mahnmals in
Berlin waren umstritten. So nötig die beständige Erinnerung
und Weitergabe der Ermordung von Mitbürgerinnen
und –bürgern jüdischen Glauben ist, so
stellt sich doch die Frage, ob ein Mahnmal nicht das
zur Geschichte, zum Gewesenen macht, was doch
nicht Geschichte werden darf in dem Sinne „Das war
einmal und kommt nicht mehr“ – wir hätten nichts
gelernt.
Vor der Folie der Stelen des Holocaust-Mahnmals
Berlin greift dieses Oratorium in loser Form liturgische
Elemente auf, wie sie in kirchlichen Gottesdiensten
und Messen Verwendung finden. Aber auf
dem Hintergrund des Mahnmals werden diese musikalisch
umgedeutet, analysiert, zerbrochen. Was im
Gottesdienst plausibel vollzogen werden kann, wird
fragwürdig vor dem Hintergrund der mahnenden Stelen
und der furchtbaren Ereignisse des Holocaust. Indem
Vorspiel, Introitus, Psalmlesung, Evangeliumslesung,
Gebet, Choral, Predigt, Fürbitten und Segen
vor dieser Projektionsfläche musikalisch-sinfonisch
vollzogen werden, zerbrechen herkömmliche Antworten.
Die Orchestrierung begleitet quasi psychoanalytisch
unsere Projektionen, Wünsche, Erwartungen
und reflektiert sie auf der Folie der mahnenden
Stelen. Diese musikalische Analyse korrespondiert
mit den szenischen Video-Installationen.
Das Leitmotiv ist in dieser Sinfonie auf ein Leitintervall
„geschrumpft“, die Sekunde, die wie ein Uhrpendel
vor- und zurückschreitet und damit die furchtbare
Präzision des Holocaust symbolisiert (entsprechend
der Einstieg mit dem schwingenden Pendel
vor den Stelen).. Die zweite musikalische Keimzelle
bildet der Choral „Komm Schöpfer Geist“, musikalisch
zerbrochen intoniert. Nicht die szenischen Entwürfe
und Bilder sind das Entscheidende an dieser
Sinfonie, sondern die orchestrale Musik, die analysiert,
zerlegt, zerschneidet, zerbricht ...

Die Sätze:
1) Prolog : “Die Zeit, sie heilt die Wunden nicht,
verbergen wir das Angesicht“
2) Introduktion
“Komm Schöpfer Geist, kehr bei uns ein, besuch´ das Herz der Kinder dein, mit Gnaden sie füll´, du allein
laß sie ein Zweig am Baume sein!“
3) Eingangsvotum
„Im Namen... Im Namen ... Baruch ha´schem“
4) Psalmlesung
“Der Herr ist mein getreuer Hirt, mein Hirt ist der Herr!“
5) Evangeliumslesung (ohne Sopran, nur Orchester)
6) Gebet
“Herr, wie herrlich ist Dein Name - Der Herr schafft Recht den Seinen“
7) Choral (Ein feste Burg) (nur Orchester)
8) Kyrie
“Es brennt, es brennt, Brüderle, es brennt
oh unser armes Städtele, es brennt, es brennt.
Böse Winde jagen, gieren,
reissen, brechen, und sie schüren
stärker noch die wilden Flammen.
Alles ringsumher schon brennt,
und ihr schaut und steht verschränkt die Händ
und jammert: Unser Städtele brennt!
Da wär´ nur Hilfe, wenn ihr euch besännt
nehmet die Eimer, löschet das Feuer
löschet mit eurem eigenen Blut,
beweist, dass ihr das könnt.“ -
(frei nach Mordechai Gebirtig, 4.4.1877 Krakau,damals Österreich-Ungarn — 4.6.1942, im Krakauer
Ghetto auf offener Straße von Nazis erschossen)
“Zadik katmar, jif´rach, jif´rach, ...“
9) Predigt (nur Orchester)
10) Fürbitte
“Oh wärest Du mein Bruder, den die Brust meiner Mutter gestillt,
Fände ich dich, ich wollte dich küssen. - Deine Linke läge unter meinem Haupt. - Lege mich wie ein Siegel
an Dein Herz, denn stark wie der Tod ist die Liebe“
11) Der Messias kommt (nur Orchester)
12) Segen
“Und siehe, mein Knecht David wird König sein, und siehe, bis in Ewigkeit. Sie werden wohnen in dem
Land, wo ihre Väter gewohnet und ihre Kinder und Kindeskinder. Ein ewiger Bund wird es mit ihnen sein
uns ich werde ihr Gott sein“.
Zur musikalischen Form
„Mensch, wo bist du?“ - Legt man in der Partitur im Takt 106 des sechsten Satzes „Predigt“ einen Spiegel
senkrecht an, so sieht man im Spiegel die Takte 1- 105 der Sinfonie in der gehörten Reihenfolge. Der ganze
Satz bildet also eine streng symmetrische Spiegelung, und entsprechend spiegelt sich in der Video-Installation
des Haupt des leidenden Christus.
„Jetzt sehen wir wie in einen Spiegel; dann aber erkennen wir von Angesicht zu Angesicht“. Dieses Zitat aus
einem Brief des Apostel Paulus charakterisiert Entwurf, Aufbau und Durchführung der gesamten Sinfonie:
Das Leitmotiv ist in diesem Oratorium auf ein Leitintervall „geschrumpft“, die Sekunde, die wie ein Uhrpendel
vor- und zurückschreitet – Todeszeit. Die zweite musikalische Keimzelle bildet der Choral „Komm
Schöpfer Geist“, musikalisch zerbrochen intoniert.
Zu den visualisierten Szenen:
Vorspiel und Introduktion – Das Leitmotiv, die Sekunde, wird in den gezupften und tremolierenden Kontrabässen
eingeführt.
Das Leitintervall der Sekunde und der Choral „Komm Schöpfer Geist“ werden im „Vorspiel“ als musikalische
Keimzellen entwickelt.
Es folgt der Introitus „Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“ – kontrastiert von Schriftzügen
an der Wand einer Steele. Das Leitmotiv leuchtet gegen Ende in den hohen Violinen auf. .
Die „Psalmlesung“ greift Psalm 23 „Der Herr ist mein Hirte“ auf. In dieser Szene wie in der Gebetsszene erhellt
sich die orchestrale Färbung. Fagott, Englisch Horn und Klarinette stimmen eine fast ländliche Weise an.
Die „Evangeliumslesung“ entwickelt Choralstücke weiter – es ist Hinweis auf ein Schuldgeständnis, daß
Papst Paul II. Zu vollziehen suchte.
Das „Gebet“ ist neben der Psalmlesung die zweite lyrische Einheit dieses Oratoriums. Zum Thema der Violinen
wird die „Engels“-Harfe kontrapunktisch geführt.
Der Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“ ertönt auf dem Hintergrund der sich rotfärbenden Gedächtniskirche
Berlin - eine Infragestellung eines christlichen Gottesverständnis, daß sich allzu sicher im Besitz Gottes
dünkt.
Dass „Kyrie“ verdichtet die Keimzellen des Eingangssatzes. Aufgenommen ist ein jiddisches Lied über die
Zedern des Libanon. .
Die „Predigt“ ist musikalisch die Schnittstelle dieser Sinfonie: Es zerbricht das Eingangsmotiv des Bachschen
Weihnachtsoratoriums unter den chromatisch kontrapunktierenden Violinen und einsam stimmt die Solovioline
den Choral „O Haupt voll Blut und Wunden“ an, mühsam gegen das Orchester ankämpfend.
Die „Fürbitten für die Liebenden in dieser Welt“ greift die atonale Struktur der Predigt auf, aber die Chromatik
weicht jetzt einer weichen Diatonik.
Der „Segen oder Der Messias Kommt“ ist eine dichte, kurze Orchesterkulmination des Leitintervalls mit offenem
Ende.
Komponiert wurde von „klassisch“, Note für Note particelli.

Alle Infos: www.emmaus-company.de
Sopran: Annemete Hein, Münster
Partitur: Norbert Ammermann
The Virtual Orchestra of the Emmaus-Company Münster-Kinderhaus

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