Kirchen-, Glocken- und Orgelpfad

OrgelkonzertDer nächste Kirchen-, Glocken- und Orgelpfad findet am Samstag, den 06.05.2017, im Rahmen der Veranstaltungen zum Reformationsjubiläum statt. > mehr: http://kirchenkreis-hamm.de/fileadmin/bilder/kirchenmusik/17_05_06-Orgelpfad.pdf  

Kulturarbeit gewinnt auch in unserer Großstadt Hamm immer mehr an Bedeutung. Dieses ist zugleich Inspiration wie auch Verpflichtung zu nachhaltiger Entwicklung unserer Arbeit. Unabhängig von kirchlicher Konfession stellen wir immer wieder fest, dass Kirchenarchitektur, Orgelmusik und Glocken auch für nicht kirchlich Gebundene eine starke Aussagekraft und Attraktivität besitzen.
Unserem Leitbild zur Entwicklung nachhaltiger Kulturarbeit gemäß haben wir – schon vor Beginn des offiziellen Kulturhauptstadtjahres 2010 im Jahr 2008 einen ersten „Orgelpfad“ durch die Innenstadtkirchen Hamms zu Fuß beschritten. Weitere  Orgel-, Kirchen- und Glockenpfade führten uns 2009 zu den Kirchen St. Victor und St. Peter und Paul in Herringen sowie zur Ev. Kirche und St. Reginen-Kirche in Rhynern, 2010 durch Kirchen in Hamm-Westen, die Geithe und Bockum-Hövel sowie 2011 ins Kloster Oelinghausen.

Evangelische Kirche St. Albanus und Cyriacus Welver

Die vermutlich im 12. Jahrhundert als Eigenkirche der Herren von Welver errichtete Pfarrkirche wurde nach der Gründung des Zisterzienserinnenklosters um 1240 in dieses inkorporiert und diente fortan zugleich als Klosterkirche. In der Reformationszeit versuchte die Stadt Soest, zu deren Territorium Welver gehörte, die lutherische Lehre durchzusetzen, während die Äbtissinnen sich bemühten, die alte Lehre beizubehalten. So waren die Verhältnisse zunächst verworren. Zeitweilig gab es nebeneinander einen katholischen Pfarrer und einen evangelischen Vicekuraten. Ende 1649 wurde die Kirchengemeinde endgültig evangelisch; die Kirche wurde ihr als Pfarrkirche zugewiesen, und es wurde ein lutherischer Pfarrer eingesetzt. Gleichzeitig diente die Kirche aber weiterhin den Nonnen des katholisch gebliebenen Klosters als Klosterkirche. Unten im Kirchenschiff fand der evangelische Gottesdienst für die Gemeinde statt und oben auf dem Nonnenchor, einer heute nicht mehr vorhandenen Empore, der katholische Gottesdienst für die Klosterangehörigen. Das Simultaneum endete, als das Kloster 1697–1700 sich eine neue Kirche dicht neben der alten erbaute. Seitdem ist die alte Kirche rein evangelisch.

Architektur
Die Kirche ist ein im Kern romanischer Saal mit gerade geschlossenem Chor, einem Querhaus und einem gedrungenen, rechteckigen Westturm. Der erste Vorgängerbau von vor 1150 wurde 1983 als ungewölbter Saal mit einem Rechteckchor ergraben. Der Turm wurde im 12. Jahrhundert errichtet. Das Gebäude wurde um 1200 um ein Querhaus und einen neuen, wahrscheinlich gewölbten, Chor erweitert. Nach 1244 wurde das Langhaus durch einen etwas breiteren Neubau ersetzt, der im 14./15. Jahrhundert eingewölbt wurde. Gleichzeitig wurden die Fenster in gotischen Formen vergrößert. Die Südwand des Langhauses und der gesamte Turm wurden 1697 erneuert, die Gewölbe wurden entfernt und die Fenster rundbogig geschlossen. Umfassende Renovierungen wurden von 1869 bis 1870 und von 1982 bis 1984 vorgenommen. Der Putzbau ist durch gestufte Strebepfeiler und Rundbogenfenster gegliedert. An der Nordseite sind noch Reste der gotischen Fenstergewände erhalten. Die Kapitelle am Portal im Querhaus stammen möglicherweise noch vom Ursprungsbau. Auf der Südseite ist die Baunaht der barocken Baumaßnahmen sichtbar.
Der Innenraum ist flach gedeckt, im Querhaus sind Gewölbeansätze erkennbar. An den Langhauswänden befinden sich noch die Auflager der ehemaligen Nonnenempore.

Ausstattung
Das gemalte Flügelretabel zeigt Szenen aus dem Leben Christi, es ist mit Matthia Knipping, 1615 bezeichnet. Es wurde von 1931 bis 1932 restauriert und statt eines neugotischen Altaraufsatzes wieder aufgestellt.
Der becherförmige Taufstein mit Blattfries stammt aus der Zeit um 1200
Die achteckige geschnitzte Taufe ist mit 1636 bezeichnet
Die geschnitzte Kanzel ist mit Wenckel 1785 bezeichnet. Sie wurde 1786 von Kleine gefasst. Sie stand ursprünglich in der Georgskirche in Soest und gelangte nach deren Abbruch 1823 nach Welver. Der tulpenförmige Kanzelkorb wächst aus einem Palmenstamm, an dem eine Eidechse hinunterläuft, hervor. Die Eidechse soll angeblich die vor der Predigt des göttlichen Wortes fliehende Sünde symbolisieren.
Die 1733 von Johann Patroclus Möller gebaute Orgel wurde 1982 auf die Westempore versetzt.

Glocken
1917 wurde das alte Bronzegeläut eingeschmolzen. 1924 wurden zwei Eisenglocken angeschafft, die an gekröpften Jochen läuteten. 2007 wurden die Glocken ausgebaut und durch vier Glocken der Glockengießerei Petit & Edelbrock / Gescher ersetzt. Die neuen Glocken erklingen in der Tonfolge fis'-h'-cis"-dis" und sind auf das Geläut der benachbarten katholischen Kirche abgestimmt.

Die Orgel stammt aus der ehemaligen Stiftskirche St. Walburgis in Soest. Im Kern stammt sie von Johann Patroklus Möller und war wohl um 1733 fertiggestellt; Am 30. Januar 1825 erging die königliche Order aus Berlin: "...bestimme ich hierdurch, daß die Orgel aus der alten Walpurgis Stiftskirche zu Welver unentgeldlich, jedoch nicht eher überlassen werden soll, als bis die Agende angenommen und die Liturgie eingeführt ist. Friedrich Wilhelm".
Die Orgel wurde über dem Altar - dem Geist der Zeit entsprechend - als "Schauwand" aufgebaut. Eine solche einheitliche Schauwand befindet sich noch in der evangelischen Pfarrkirche St. Othmar in Dinker. Durch diese "Schauwand" ging jedoch die Kreuzform der Kirche im Innenraum verloren. Altar und Orgel schnitten den Raum in Höhe des Querschiffes ab. Erst 1982 wurde die Orgel im Zuge der Sanierung schließlich auf die Westempore versetzt.



Evangelische Kirche St. Othmar Dinker

Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Kirche 1221.
Das Gebäude ist ein dreijochiger Saalbau mit eingezogenem zweijochigem Chor. Der Bau des Chores wurde 1514 vollendet. Das romanische Langhaus war baufällig geworden, es wurde durch das Heutige ersetzt. Die 14 spitzbogigen Fenster sind ein gutes Beispiel für die Umwandlung zum Gotikbbau. Die Fenster sind dreiteilig und mit Maßwerk geschmückt. Ein östliches Fenster ist zugemauert. Der Turm wurde 1901 auf den Fundamenten des Vorgängers in Backstein neu errichtet.

Ausstattung
Altaraufbau, Orgel und Kanzel, sowie das hölzerne Taufbecken von 1745 bis 1750 vom Tischlermeister Kartenberg
Spätgotisches Sakramentshäuschen, um das 12. Jahrhundert angefertigt. Das in Stein ausgeführte Sakramentshäuschen steht auf einem 28 cm hohen Steinsockel und erhebt sich bis in 4,50 m Höhe. Die größte Breite beträgt 1,10 m. In dem mit Maßwerk gezierten Unterbau stehen zwei Apostelfiguren. Die Nische darüber weist einen Giebel und eine dreiteilige Bekrönung (Fialen) auf. Auch die Nische ist reich mit Maßwerk geschmückt. Über der Nische stand eine Figur, vermutlich eine Madonna. Diese, wie auch zwei Apostelfiguren links und rechts der Nische, sind nicht mehr vorhanden. Über dem Giebel der Nische erhebt sich auf einer Kreuzblume ein Kruzifix. Die Arme des Gekreuzigten sowie die beiden zur Seite stehenden Figuren sind ebenfalls verschwunden. Das Kruzifix steht unter dem Schatten eines Baldachins. Die krönende Kreuzblume liegt abgestoßen hinter dem Sakramentshäuschen. Die Nische wird durch eine Tür verschlossen.
Die Othmar-Nische befindet sich gegenüber dem Sakramentshäuschen an der Südwand. Sie ist vom gleichen Alter und ebenfalls in gotischer Steinmetzarbeit ausgeführt. Sie diente zur Aufnahme des Reliquienkastens des heiligen Othmar, des Schutzpatrons der Kirche. Auch diese Nische war einmal reich mit Giebel, Maßwerk und Fialenbekrönung geziert. Die Kante des Giebels ist mit Blumen (Krabben) besetzt. Die linke Fiale ist noch vorhanden, die rechte abgestoßen. Den Verschluss bildet ein Türgitter aus quadratisch durchgelegten Stäben in feiner Schmiedearbeit, 53 cm breit und 75 cm hoch. Die ganze Nische hat eine Breite von 95 cm und eine Höhe von 2,30 m.
Verschiedene Epitaphe
Das Plettenberg-Epitaph wurde 1595 an der Nordwand über dem Presbytersitz angebracht. Es ist in Stuck ausgeführt und rund 2 m breit und 3 m hoch. Es zeigt im Mittelfeld Theodor von Plettenberg, den Neffen des berühmten Heermeisters des Deutschritterordens in Livland Wolter von Plettenberg, und seine Gemahlin Catharina geb. von Went in Anbetung vor dem Gekreuzigten. Theodor von Plettenberg ist in voller Kriegsrüstung. Helm und Schwert sowie Fechthandschuh hat er abgelegt. Hinter jedem steht ein Mitbetender. Den Hintergrund des Bildes füllt eine Festung mit vielen Kirchtürmen. Darüber schweben in den Wolken Engelsköpfchen. Über dem vergoldeten Kruzifix steht: „INRI d.i.“, was für „Jesus Nazarenus Rex Judaeorum“ steht und heißt: Jesus von Nazareth, König der Juden. In der Krönung mit drei Spitzsäulen befinden sich zwei Wappen. Darunter steht Plettenberg-Wendt. An beiden Seiten von diesem Mittelstück steht eine Säule, an deren Fuß ein Engel schreitet, das Tränentuch vor den Augen haltend. Über jeder Säule sitzt ein trauernder Engel. Der eine stützt den Arm auf ein Stundenglas, der andere auf einen Totenschädel. Das Mittelstück hat zwei Seitenstücke in halber Breite mit je drei Wappen: Stenhaus, Ermelen, Kloster, Heiden, Nagel, Lintloe. Die Schrift in lateinischen Druckbuchstaben ist vergoldet und gut erhalten, wie auch das ganze Epitaph.
Auf dem nicht mehr vorhandenen Altar aus alter Zeit befand sich von 1605 bis 1854 als Flügelaltar das Caesarius-Epitaph zur Erinnerung an die Mutter und die erste Ehefrau des Pastors Caesarius. Das hinter den beiden Flügeln vorhandene Schnitzwerk, das den Einzug Jesu in Jerusalem darstellte, ist später verschwunden.
Die Voß-Epitaphe: An der Nordwand des um 1699 fertiggestellten älteren Kirchenteils befinden sich nebeneinander zwei Epitaphe von 1727 und 1735. Diese sind Grabschriften für Caspar Henrich Voß und für seine Gemahlin Margaretha geb Korff. Das Größenverhältnis der in Stuckarbeit ausgeführten, noch gut erhaltenen Epitaphe beträgt in Breite zur Höhe 2 m zu 4,20 m. Die eine Inschrift wie die andere – in stark vergoldeten deutschen Druckbuchstaben – ist von 16 Wappen eingefasst, oben 4, zu beiden Seiten je 4 und unten 4. Das Ganze wird noch von zwei Säulen flankiert. Girlanden hängen links und rechts herunter. Die Krönung bildet ein Muschelaufsatz. Ein Muschelaufsatz von Caspar Henrich Voß ist 10 cm größer als bei dem Epitaph seiner Gemahlin. Unter der Inschrift liegt ein Totenkopf mit Knochen. Auf dem westlichen Epitaph, dem des Caspar Henrich Voß, stehen unten links die Buchstaben M.v.K. und rechts die Buchstaben F.v.V. – die Initialen der Stifterin des Epitaphs, der Witwe des Verstorbenen, und seines Bruders Friedrich von Voß.
Die Orgel: Nachdem die Orgel von 1773 nach 155 Jahren Dienst in den Tagen nach Misericordias im Jahre 1928 abgebrochen wurde, baute man 1928 hinter das alte Prospekt von 1773 und in das alte Gehäuse hinein eine für 3000 Mark vom Archigymnasium Soest erworbene Orgel ein. Sie entstand 1864 in der Werkstatt der Orgelbauer G. Voigt und Sohn in Halberstadt. Am Sonntag Kantate, dem 6. Mai 1928 wurde auf dieser Orgel zum ersten Mal von dem obigen Lehrer, Kantor, Küster und Organisten Paul Stein gespielt. Die Orgel hatte drei Vorgänger.
Glocken: Seit 1922 hängen drei Stahlglocken anstelle von drei im Weltkrieg abgehängten Bronzeglocken im Turm der Kirche. Sie sind nach den Christlichen Tugenden „Liebe“, „Glaube“ und „Hoffnung“ genannt. „Liebe“ ist 1,10 m, „Glaube“ 0,9 m und „Hoffnung“ 0,8 m groß. Die Inschrift lautet bei allen: „Ersatz für im Weltkriege abgehängte Bronzeglocken“. Als Betglocke läutet „Glaube“ um 6, 12 und 19 Uhr, im Winter um 7, 12 und 18 Uhr. Zur Scheidepause läutet „Hoffnung“, bei Beerdigungen „Glaube“ und „Hoffnung“. Am Samstagabend und Sonntagmorgen jeweils eine Stunde vor dem Gottesdienst läuten „Liebe“ und „Glaube“; zum Kirchgang läuten alle drei Glocken. Die Tonfolge ist es'-ges'-b'.
Der jetzige Chor wurde 1699, das Schiff 1742 von dem Soester Georg Eggert fertiggestellt.
Zwei Altarleuchter aus Eisenguss wurden 1828 von König Friedrich Wilhelm III. gestiftet

Welver - Dinker, St. Othmar. Orgelgehäuse von 1758, Reste der Prospektpfeifen von 1780 (Isvording). Das heutige Instrument ist von Hammer aus Hannover, 1978. 18 Register und jetzt mit Stimmung nach Werckmeister III.

 


Glocke

Zusätzliche Informationen