Kantoreichronik

Kantoreichronik - Kirchenmusik im Reformationszeitalter und 17. Jahrhundert

 

Zwei Epochen kirchenmusikalischer Arbeit an der Pauluskirche

Von Ingrid Buchhorn

  1. Kirchenmusik in der Reformationszeit und im 17. Jahrhundert
  • Vor der Reformation gab es in den Gottesdiensten nur wenige von der Gemeinde gesungene geistliche Lieder. Die Gemeinde war vor allem an der festgelegten lateinischen Liturgie beteiligt. An den einstimmigen Gesängen wie den gregorianischen Chorälen waren Priester, Solisten und Chorgruppen die Ausführenden.
  • Für Luther war Musik ein Geschenk Gottes. Auch die Gemeinde sollte einen gebührenden Platz in der kirchlichen Liturgie bekommen. Deshalb führte er den Gemeindegesang in deutscher Sprache im Gottesdienst ein.
  • Er selbst schuf an die 40 Kirchenlieder, meist Umdichtungen von Psalmen und Vertonungen altkirchlicher Hymnen: z. B. „Aus tiefster Not schrei ich zu dir“ (Psalm 130) u. „Nun freut euch liebe Christen gmeyn“ (Psalm 67).
  • Die Verbreitung reformatorischer Gedanken mittels Predigt, Buchdruck und Flugblätter gewinnt auch durch die sich rasch umgreifende Singbewegung eine eigene Dynamik. Das Singen von Kirchenliedern ist zugleich ein Zeichen zum öffentlichen Bekenntnis zur Reformation Luthers.
  • Ab 1523/24 Veröffentlichungen von Gemeindegesangbüchern und mehrstimmigen Chorbüchern. Im Dortmunder Raum erhielten die lutherischen Gemeinden 1579 ein erstes evangelisches Gesangbuch.
  • Das Liedgut umfasst aktuelle Zeit- und Bekenntnislieder: Psalmen und Bibellieder, kirchliche Festlieder, Lehrlieder und Gottesdienstlieder.
  • Im Gegensatz zur überwiegend lutherischen Grafschaft Mark bekennt sich die Stadt Hamm aus eigener Initiative – ab 1662 Schritt für Schritt eingeführt –  zum reformierten Glauben nach dem Reformator Johannes Calvin. Dieser förderte im Gottesdienst vor allem den einstimmigen Gesang von Psalmliedern.
  • In den deutschsprachigen reformierten Kirchen setzte sich der Genfer Psalter 1573 in der Übersetzung (aus dem Französischen durch). Inwieweit sich die eigenständige reformierte Gemeinde der Pauluskirche danach richtete, ist nicht bekannt.
  • 1562 ließ der reformierte Rektor der Hammer Lateinschule, Engelbert Copius, seine Schüler in der Pauluskirche während der Vesper um 1 Uhr deutsche Psalmen singen – zum Verdruss der katholischen Kapellane, die ihren Gesang abstellen mussten. Copius handelte im Einklang mit dem Prediger Carolus Gallus (Bericht von Hamelmann).
  • Die ab 1578 erhaltenen Kirchenrechnungsbücher in Hamm erwähnen in ihrer jährlichen Buchführung die Besoldung von Organisten und Kantoren. Zur Unterstützung des Orgelspiels waren sog. Pustertreter eingesetzt.
  • Die Orgel bedurfte regelmäßiger Wartung: Scheuern und Fetten der Orgelpuster sowie häufige Reparaturen.
  • 1588 erhält die Lateinschule ein eigenes Organon von einem stillgelegten Nebenaltar für den (geistlichen) Musikunterricht.
  • Die Kantoren – zumeist eigens bestimmte Lehrer der Lateinschule – hatten die Aufgabe, den Gemeindegesang und den Chorgesang zu führen. Sie fungierten auch als Vorsänger und begleiteten den Gesang von Schülern bei Leichenbegängnissen.
  • Nach Angaben des Protokollbuches des Presbyteriums (1611−1664) mussten sich die Schüler während der Gottesdienste auf dem Chor aufstellen. Angeführt durch den Kantor, hatten sie die Gemeinde mit ihrem Gesang zu erbauen. Ob der Gesang mehrstimmig war, kann nur vermutet werden.
  • 1611: Ferner mussten sich ausgewählte Schüler unter den Predigtstuhl stellen, um die Gemeindeglieder mit ihrem Gesang anzufeuern.
  • 1611: Vor den Predigten sollte der Kantor Steintafeln mit aufgeschriebenen Psalmen aufhängen (Liednummern, ganze Texte?).
  • In den ersten Jahren des 30-jährigen Krieges wird den reformierten Gemeinden 1622 in Jülich-Kleve-Berg-Mark neben einem vorformulierten Gebet auch ein Gesang für die entstandene Not nach der Melodie „Unser Vatter im Himmelreich empfohlen“. Er beginnt mit den folgenden Worten:  Nimm von uns Herr, du höchstes Gut, dein schwere Straf und große Rut…“ und hatte 8 Strophen.
  • In den Schulgesetzen von 1640, Nr. 3: Zur Beförderung der Gottesfurcht sollen die Lehrer die Jugend daran gewöhnen, mit geistlichen Liedern und Psalmen, mit Gebet und Predigthören Gott zu loben und sich selbst zu erbauen. Nr. 4: Die Lehrer sollen den Schülern zeigen, wie man sich ordentlich in der Kirche verhält: nicht schwätzen, sitzenbleiben, hinhören und mitsingen.
    • 1644: werden Gesangbücher für die Kirche angeschafft.
    • 1644: Weil die Knaben in der Kirche „großen Mutwill“ getrieben hatten, werden die Lehrer der 4. Klasse beauftragt, die Schüler zu kontrollieren und mithilfe des Kantors den Gesang zu führen
    • Zwischen Lateinschule und dem Presbyterium entwickelte ein längerer Streit um die gesangliche Beteiligung der Schüler an den mindestens dreimal in der Woche stattfindenden Gottesdiensten. Die Lehrer argumentieren, dass die Zeit dringend zum Unterricht benötigt werde, während das Presbyterium den Rückgang der Gottesdienstbesucher auf die Versäumnisse des Kirchengesangs zurückführte. Die Lehrer werden auch des Öfteren vom Presbyterium gerügt, weil sie bei den Gottesdiensten nicht mitgesungen hätten.
    • Auf seiner Rundreise durch Jülich-Kleve-Berg-Mark besuchte der Große Kurfürst  im Jahre 1649 auch Hamm. Hier zeigte er sich über die dargebotene Kirchenmusik sehr erfreut. Man hatte eigens zu diesem Anlass – fast ein Sakrileg – den lutherischen Gemeindepfarrer Heinrich Meier aus Dinker engagiert. Welcher Art seine musikalische Darbietung war, ist unbekannt.
    • 1651 wird aufgrund eines kurfürstlichen Erlasses eine lutherische Gemeinde in Hamm aufgebaut. Es ist anzunehmen, dass ab dieser Zeit die Kirchenmusik in Konkurrenz zu den Lutheranern bei den Reformierten einen höheren Stellenwert bekommt.
    • Die lutherischen Gemeinden der Grafschaft Mark pflegten ein breiteres kirchenmusikalisches Repertoire als die reformierten. Vor allem bereicherten der Gelehrte und Pfarrer Philipp Nicolai („Wie schön leuchtet der Morgenstern“, „Wachet auf, ruft uns die Stimme“) und andere Kirchenmusiker das musikalische Engagement in den Gemeinden.
    • Für das harmonische Zusammenwirken von Orgelspiel und Gemeindegesang bedurfte es mehrerer Probephasen.
    • 1660: Den Wechsel von Gemeindegesang und dem Orgelspiel fand man im Presbyterium „ganz unförmlich und unerbaulich“.
    • 1661 beklagte sich das Presbyterium über den Organisten, dass er „die große Orgelpfeife derart unter den Gesang der Gemeinde schlage, das man ihn nicht hören könne.“  Außerdem empfahl man der Predigt mehr Geltung zu verschaffen, indem erst nach ihrem Ende Motetten (also mehrstimmige Gesänge) gesungen und das Orgelspiel geschlagen werden sollten.
      • In der Zeit der Gegenreformation wurde auch der Gemeindegesang in den katholischen Gottesdienst eingeführt. 1627 erscheint ein katholisches Gesangbuch).
      • Inwiefern sich im 17. Jahrhundert die neue Entwicklung der Musik durch italienische Einflüsse auf die Kirchenmusik der lutherischen und reformierten Gemeinden der Mark auswirkte, ist nicht bekannt. Die Gestaltung des geistlichen Gesangs wurde von der aus Italien stammenden weltlichen Musik, den Opern, beeinflusst.

 

 

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